Zwischenbilanz der Seenotretter

Seit Jahresbeginn 1.800 Einsätze und 600 Gerettete auf Nord- und Ostsee
Bei Ausbildungsmission auf Lesbos mehr als 1.100 Menschen aus Gefahr befreit

Auf Nord- und Ostsee sind die Seenotretter allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 2016 bereits mehr als 1.800 Mal im Einsatz gewesen. Die Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben dabei knapp 600 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit. Weitere mehr als 1.100 Menschen befreiten sie in einem dreimonatigen Ausbildungs- und Unterstützungseinsatz für ihre griechischen Kollegen vor Lesbos aus Gefahr.

Foto: DGzRS - Die Seenotretter Herbsteinsatzbilanz-Pressekonferenz der Seenotretter am 21. Oktober 2016 im Unesco-Welterbe Zollverein in Essen (v. l.): Seenotretter Rhett Collasius, Prof. Dr. Thomas Budde, Ordentliches Mitglied des Beschlussfassendes Gremiums der DGzRS, und „Bootschafter“ Markus Knüfken
Foto: DGzRS – Die Seenotretter
Herbsteinsatzbilanz-Pressekonferenz der Seenotretter am 21. Oktober 2016 im Unesco-Welterbe Zollverein in Essen (v. l.): Seenotretter Rhett Collasius, Prof. Dr. Thomas Budde, Ordentliches Mitglied des Beschlussfassendes Gremiums der DGzRS, und „Bootschafter“ Markus Knüfken

Wesentliche Unterstützung erfuhren die Seenotretter in den vergangenen Monaten durch ihren diesjährigen ehrenamtlichen „Bootschafter“, den Schauspieler Markus Knüfken („Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“, „Notruf Hafenkante“). Knüfken stellte am Freitag, 21. Oktober 2016, der Öffentlichkeit die Einsatz-Zwischenbilanz 2016 der Seenotretter auf dem Unesco-Welterbe Zollverein in seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Essen vor.

In den vergangenen Monaten nahm Knüfken an Übungen und Kontrollfahrten der Seenotretter teil, warb in den Medien sowie auf Veranstaltungen für ihre ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanzierte Arbeit und machte dabei viele neue Erfahrungen: „Als Kajakfahrer war ich mir schon immer bewusst, dass die See auch bei bester Vorbereitung große Gefahren bergen kann. Der selbstlose Einsatz der Seenotretter und ihre innere Einstellung beeindrucken mich sehr. Ich bin stolz darauf, als ,Bootschafter‘ zu ihnen zu gehören, und werde mich auch weiterhin für sie einsetzen.“

Neue ehrenamtliche „Bootschafterin“ 2017
Neue Seenotretter-„Bootschafterin“ 2017 wird TV-Moderatorin Heike Götz („Landpartie“, NDR). Geboren in Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern und heute in der Nähe von Hamburg zu Hause, ist sie Fernsehzuschauern vor allem als „die Frau mit dem Fahrrad“ bekannt. Seit 1999 erkundet sie den Norden, trifft seine Menschen, stellt regionale Spezialitäten und ländliche Kultur vor.

Mit den Seenotrettern drehte Heike Götz bereits mehrfach. Schon vor mehr als zehn Jahren war sie auf der Freiwilligen-Station Gelting zu Gast. In diesem Jahr wiederum besuchte sie für ihre Sendung den modernsten Seenotrettungskreuzer ERNST MEIER-HEDDE auf der Station Amrum.

Aus der Rettungsflotte
Mit einem umfangreichen Neubau- und Umstationierungskonzept bereiten sich die Seenotretter auf die Herausforderungen der nächsten Jahre vor. Durchschnittlich 30 Jahre sind die Rettungseinheiten der DGzRS im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. Rein rechnerisch ergibt sich daraus der Bedarf, jährlich durchschnittlich zwei neue in Dienst zu stellen. Vor mehr als 25 Jahren jedoch standen die Seenotretter vor einer historischen Aufgabe: Nach der Wiedervereinigung galt es, die veraltete Technik in Mecklenburg-Vorpommern schnell zu modernisieren. Dies gelang innerhalb von nur vier Jahren, nicht zuletzt dank großartiger Unterstützung der treuen Förderer der Seenotretter.

Zwischen 1990 und 1994 hat die DGzRS 24 Neubauten in Dienst gestellt. Spätestens Anfang des kommenden Jahrzehnts müssen sie ersetzt werden. „Zweckgebundene Erbschaften versetzen uns in die Lage, für einige dieser Boote schon jetzt moderne Nachfolger zu bauen. Viele werden die Namen ihrer Spender tragen“, erläutert DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

Derzeit sind folgende Rettungseinheiten im Bau beziehungsweise in Auftrag gegeben:

–          zwei 28 Meter lange Seenotrettungskreuzer mit Tochterboot, bestimmt für die Stationen Laboe (Januar 2017) und Cuxhaven (Mai 2017),

–          zwei 20 Meter lange Seenotrettungskreuzer mit Arbeitsboot, bestimmt für die Stationen Greifswalder Oie (2017) und Olpenitz (2018), sowie

–          sechs 10,1 Meter lange Seenotrettungsboote, bestimmt für verschiedene Freiwilligen-Stationen an Nord- und Ostsee (2017/2018).

Die Taufe des ersten der beiden 28-Meter-Schiffe auf den Namen BERLIN ist für 17. Dezember 2016 am Anleger der DGzRS-Zentrale in Bremen vorgesehen. Damit würdigen die Seenotretter die Verbundenheit der Region mit ihrer Arbeit. Bewusst haben sie eine Ausnahme von der traditionellen Regel gemacht, den Namen einer neuen Rettungseinheit nicht vor der Taufe bekanntzugeben.

Die nächste 20-Meter-Einheit löst auf Wunsch des Spenders Ende 2017 auf der Greifswalder Oie die EUGEN ab, die dann nach Norderney verlegt wird. Die bisher dort stationierte BERNHARD GRUBEN soll in Hooksiel die dann 28 Jahre alte VORMANN STEFFENS ablösen.

Die Stationierung des zweiten 20-Meter-Kreuzern ist für 2018 in dem im Ausbau befindlichen Hafen Olpenitz an der Schleimündung vorgesehen. Er soll die seit 1990 im nahen Maasholm liegende NIS RANDERS ersetzen. Die DGzRS teilt ihre dortige Doppelstation. Das ebenfalls in Maasholm liegende Seenotrettungsboot, das hauptsächlich Einsätze im Nahbereich und schleiaufwärts fährt, liegt auch künftig im dortigen Fischereihafen. Der Seenotrettungskreuzer hingegen verliert im viel befahrenen Revierteil zwischen Maasholm und Schleimünde bisher wertvolle Zeit, da er nur mit stark reduzierter Geschwindigkeit auslaufen kann. Der Liegeplatz in Olpenitz ist deshalb rettungsdienstlich von Vorteil.
Das erste der sechs neuen 10,1-Meter-Seenotrettungsboote soll im Frühjahr 2017 abgeliefert werden. Über die Stationierung dieser Boote hat die DGzRS noch nicht entschieden. 

Seenotretter hoffen zum Jahresende auf Spendenbereitschaft der Bevölkerung
Hinsichtlich des Sammlungserlöses hofft die DGzRS zum Jahresende auf die Spendenbereitschaft der Bevölkerung. In diesen Wochen wenden sich die Seenotretter wieder verstärkt an die Öffentlichkeit, um über ihre Arbeit zu informieren, die Menschen im ganzen Land um Unterstützung zu bitten und weitere Förderer zu gewinnen. Sie sind auf die Unterstützung der breiten Bevölkerung angewiesen.

Rund 5.000 Plakate hängen bald an publikumsintensiven Plätzen in 235 Orten. Die großformatigen Bilder zeigen den modernsten Seenotrettungskreuzer ERNST MEIER-HEDDE in stürmischer See. Die Flächen dafür hat die awk Außenwerbung GmbH kostenlos zur Verfügung gestellt.

Tag der Seenotretter 2017
Spendern, Freunden und allen Interessierten bieten die Seenotretter auch 2017 wieder die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von der Einsatzbereitschaft ihrer Besatzungen und der Leistungsfähigkeit ihrer Rettungseinheiten zu machen. Erneut findet am letzten Sonntag im Juli, somit am 30. Juli 2017, der „Tag der Seenotretter“ auf vielen Stationen an Nord- und Ostsee statt.

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