Von der Zugspitze zur Nordsee

Wolfgang Schuster war sieben Wochen und 1100 Kilometer unterwegs

Marcus Harazim und Claudia Schmidt von der Kurverwaltung begrüßen Wolfgang Schuster an der Nordsee.
Foto ©: G. Ziemann

Ein wenig verrückt muss man schon sein um sich eine solche Aufgabe zu stellen. Wandern von der Zugspitze bis zur Nordsee. „In den ersten Tagen meiner Wanderung habe ich mir dies auch mehrmals am Tag gesagt.“ berichtet Wolfgang Schuster nach seiner Zielankunft in Harlesiel.
Am 11. Juli begann die Wanderschaft auf der Zugspitze. „Den Abstieg von der Zugspitze nach Garmisch war das einzige Mal das ich ein Transportmittel benutzt habe. Sonst ging es  fast immer allein in Richtung Norden. Geplant habe ich die Route schon Anfang des Jahres. Es sollte im März losgehen, aber die Pläne wurden von Corona durchkreuzt. Auch der Termin im Mai konnte nicht wahrgenommen werden.“ so Schuster. Wolfgang Schuster kommt schließlich aus Gütersloh. Als „Corona Hochburg“ waren sämtliche Einreisen in andere Bundesländer verboten. Als er dann zwei negative Corona-Tests vorweisen konnte ging es endlich los.
Die grobe Route stand fest: Von Garmisch Richtung Augsburg, Würzburg über Fulda, Kassel vorbei an seiner Heimatstadt Gütersloh. Weiter über Detmold, Osnabrück nach Harlesiel.

„Die erste Tour nach Oberammergau hat mich eine Bekannte aus dem Skiurlaub begleitet. Danach war ich allein unterwegs. Kurz vor Cloppenburg hat mich dann meine Tochter eine Strecke lang begleitet.“

Wolfgang Schuster- an Ziel in Harlesiel
Foto ©: G. Ziemann

Eine App auf dem Handy wies ihn den geplanten Weg. Aber dieser sollte im wahrsten Sinne des Wortes „dornig“ werden. Mehrmals führte ihn die App über Wege die dann in einem Brombeerfeld endeten. Total zerkratzt blieb Schuster dann nichts anders als umzukehren und einen anderen Weg zu suchen.   Seine Touren begannen in der Regel früh morgens zwischen sieben und acht Uhr. Je nach Wegbeschaffenheit wurde täglich fünf bis sieben Stunden gewandert.

„Ich bin in Bayern manchmal fünf Stunden lang kleinem Menschen begegnet und habe kein Haus gesehen. Dort war auch die größte Herausforderung eine Herberge für die Nacht zu finden. In sehr vielen kleinen Orten gibt es keine Pensionen oder Hotels mehr. Dadurch musste ich teilweise über Stunden einen Umweg machen bis ich einen Schlafplatz gefunden habe. Je weiter ich dann nach Norden kam gab es zwar mehr Pensionen, aber die waren regelmäßig schon ausgebucht. Vor Cloppenburg habe ich acht Absagen bekommen. Dort musste ich fünfzehn Kilometer Umweg in Kauf nehmen um etwas zu finden.“ so Schuster.

Die letzten zweihundert Kilometer waren aber die schwersten. Die mörderische Hitze, keine Wanderwege, nur Asphalt auf denen sich die Hitze staute machten Wolfgang Schuster das Wandern schwer.

Auf die Frage hin wie er denn auf die Idee gekommen ist die Tour zu machen, beginnt der heute vierundsiebzig Jährige  zu erzählen:
„Bis zu meinem fünfundfünfzigstem Lebensjahr fand Sport fast nur von Sofa aus statt. Danach hat mich das Laufvirus irgendwann gepackt. Mit siebenundsechzig Jahren bin ich den ersten Marathon gelaufen. Weitere folgten. Im Oktober 2015 kann dann ein Unfall. Trümmerbrüche an beiden Fersen. Die Ärzte gaben mir die Diagnose dass ich nur noch eingeschränkt gehen werden könne. Zwei Monate verbrachte ich im Rollstuhl. Nur mit eisernem Willen kämpfte ich gegen das Handicap an. Ende 2016 konnte ich soweit wieder laufen, wenn auch nur an Krücken. Da habe ich als erster Deutscher einen Trainerschein „an Krücken“ gemacht .

Kurverwaltung und TSV empfangen Wolfgang Schuster in Harlesiel.
Foto ©: G. Ziemann

Mehre kleine, dann größere Läufe folgten. 2018 ging es „einmal über die Alpen“. Von Oberstdorf bis auf 3000 Meter hoch und dann nach Meran.

Mit meiner Wanderung von der Zugspitze nach Harlesiel will ich allen, die jemals in eine ähnliche Situation kommen wie ich sie hatte Mut machen. Gebt nicht auf! Setzt Euch ein Ziel und arbeitet hart daran.

Am Donnerstag, den 20. August endete für Wolfgang Schuster die Wanderschaft an seinem gewählten Ziel Harlesiel. Eine Delegation aus Mitgliedern von Sportverein TSV, sowie von der Kurverwaltung begrüßten den Wanderer am Strand von Harlesiel.

„Jetzt freue ich mich erstmal auf meine Frau die mich gleich abholt. Danach werde ich mal die ganzen Erlebnisse auf der langen Wanderung verarbeiten. Ein neues Ziel habe ich noch nicht.“ sagt uns „Wolle“. Aber wenn man ihn so erzählen hört wird bestimmt bald eine neue Aufgabe kommen.

Zieleinlauf
Foto ©: G. Ziemann

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