Jetzt Geschichte: „Gurken-Herbert“ und die „Anne Berta“

Herbert Marx übergibt sein Plattbodenschiff an neuen Besitzer

Schlüsselübergabe und Abschiedsgeschenk für Herbert Marx (l) von neuen Besitzer Dirk Hönsch (r)
Foto: G. Ziemann

Das Plattbodenschiff „Anne Berta“, mit dem  „Urgestein Herbert Marx“ gehörten bisher fest zum Bild im Museumshafen von Carolinensiel. Jetzt müssen wir uns leider, vorerst, von dem Anblick verabschieden.
Herbert Marx hat sich schweren Herzens von seiner „Anne Berta“ getrennt. Das Schiff hat eine neue Heimat im Hafen von Wangerooge gefunden.

Am letzten Wochenende war die offizielle Übergabe an den neuen Eigner Dirk Hönsch.

Grund genug für uns einmal auf die Geschichte von dem Plattbodenschiff, sowie den Erlebnissen von Herbert Marx zurückzuschauen.

1978 beschloss der damaliger Kölner Herbert Marx ein Plattbodenschiff vom Typ Zeeschow in Holland in Auftrag zu geben.

Zeeschow’s  waren früher halboffene Schiffe, die zum Fischen auf der Zuidersee (Ijsselmeer) und im Wattengebiet zum Einsatz kamen.

Das Plattbodenschiff im Bau auf dem „heiligen Boden“ in Köln
Foto: Privat

Der Schiffsrumpf der Anne-Berta wurde nach Fertigstellung auf der Werft Klein/ Sappemere  per Tieflader nach Köln verfrachtet und hier ausgebaut. Eineinhalb Jahre hat Herbert Marx im Garten des Küsters an seinem Plattbodenschiff gearbeitet, bis dieses dann wiederum per Tieflader zum Rheinhafen in Köln-Mülheim gebracht wurde.  Das Schiff stand bis zum Stapellauf 1979 auf heiligem Boden, dem Grundstück der ev. Kirche Köln.
Der Segen begleitet die Anne-Berta noch heute, wie Herbert Marx zu berichten weiß.
Als 1980 die gekauften Segel und der Mast eingebaut waren, konnte das Schiff zu seinem damaligen Heimathafen in Heeg, Holland überführt werden.

Von dem holländischem Hafen unternahm Herbert dann viele Fahrten mit der „Anne Berta“.
Mit bis zu 30 Plattbodenschiffen wurden damals viele Fahrten im Konvoi unternommen.   Zum Beispiel eine Geschwaderfahrt  1987 nach Bremerhaven. Immer wieder konnte Herbert die „Anne Berta“ sicher in den Heimathafen zurückbringen.

Herbert Marx kann berichten, das zum Beispiel 1989 eine Einladung zum 800 Jährigem Hafenjubiläum aus Hamburg kam. Mit 30 Plattbodenschiffen machte sich Herbert Marx auf den Weg nach Hamburg. Das dies teilweise gar nicht so einfach war beweist die Tatsache das die Anfahrt fast 14 Tage dauerte. Sturm und die Gezeiten zwangen immer wieder zu Unterbrechungen.

Die „Anne Betra“ bei der Übergabe
Foto: G. Ziemann

In Hamburg angekommen berichtete sogar das Fernsehen davon und ein „Premium-Liegeplatz“ direkt vor dem Hotel 4 Jahreszeiten war der Lohn. Wie Herbert Marx weiter berichtete,  unternahm er ein Jahr später eine 2 ½ monatige Fahrt in die Ostsee. Mit der „Anne Berta“ war dies das erste westdeutsche Plattbodenschiff das in der damaligen DDR in einen Hafen einlief.

Als man in Carolinensiel 1986 mit dem Ausbau des Museumshafens mit einem finanziellen Aufwand von 1,8 Millionen D-Mark begonnen hatte, konnte dann am 9. September 1987 der Hafen und  am 11. August 1990 die Friedrichsschleuse wiedereröffnet werden.

In dieser Zeit kamen dann auch die Einladungen vom 1. Vorsitzenden des Förderkreises  des Deutschen Sielhafenmuseums, Ferich Eilts, zu den Hafenfesten nach Carolinensiel.
Hier entdeckte der damalig noch „Kölner“ Herbert Marx seine Liebe zu Ostfriesland.
2001 zog es ihn an die Nordsee. In Neugarmsiel fand er seinen ersten Wohnsitz.

In Neugarmsiel wurde Herbert dann schnell „heimisch“, schon 2003 wurde er dort zum Ortsvorsteher gewählt, bevor es ihn dann einige Jahre später 2016 nach Carolinensiel zog.
2004 organisierte Herbert Marx als Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Neugarmsiel nach zwei Jahren Pause wieder ein Dorffest, dessen Erfolg überwältigend war. Marx sorgte auch dafür, dass am alten Wendehafen eine Schifffahrtstonne (grüne Tonne H 3 ,H steht für Harle, viele sagen H wie Herbert)aufgestellt wurde.

Im Jahre 2002 überführte er seine „Anne Berta“ von Holland nach Carolinensiel.

Seit 2001 war er bei allen Hafenfesten, sowie später bei den Wattensail-Veranstaltungen anwesend. Herbert Marx mit seinem Gurkenverkauf auf der „Anne Betra“ war immer ein fester Bestandteil. Hier erhielt Herbert auch den Titel: „Gurken Herbert“.
Als „heimlichen Hafenmeister von Carolinensiel“ berichteten schon viele Zeitungen und er NDR* über Herbert Marx, der als Kölner Gerichtsvollzieher eine neue Heimat in Carolinensiel gefunden hat. *Der NDR vergab an Herbert den Namen „heimlicher Hafenmeister von Carolinensiel“

Besitzerwechsel
Foto: G. Ziemann

Aber zurück zur „Anne Berta“.
Am letzten Wochenende wurde das Plattbodenschiff an seinen neuen Besitzer übergeben.
Dieser Schritt fällt mir unsäglich schwer, so Herbert. Aber seit dem seine Frau im Rollstuhl sitzt, sind die Ausfahrten mit der „Anne Berta“ nur noch schwer möglich.
Ein Plattbodenschiff in dem Alter erfordert natürlich viel Pflege. Die möchten jetzt Dirk und Anita Hönsch aus Wangerooge aufbringen.
Eigentlich sind die beiden keine „Wangerooger“ ihre Heimat ist Sachsen. Aber auf Wangerooge sind die beiden längst kein „unbeschriebenes Blatt“ mehr. Vor Jahren haben Sie dort das Jugendhotel übernommen und ausgebaut.

Bei der Übernahme des Schiffes im Clinsieler Hafen übergab Dirk Hönsch Herbert Marx ein kleines Abschiedsgeschenk (Foto)  und die Einladung ihn und die „Anne Berta“ so oft wie möglich in Wangerooge zu besuchen. Ein Gästezimmer steht bereit und gemeinschaftliche Ausfahrten ins Niedersächsische Wattenmeer können unternommen werden.
Wie Dirk Hensch uns sagte, möchte er gerne die „Anne Berta“ in den Wintermonaten im Museumshafen in Carolinensiel anlegen.
Bei der nächsten Wattensail im August wir er „Auf jeden Fall“ dabei sein.
Wir sagen bis dahin:
Bye Bye „Anne Berta“

Good bye „Anne Berta“
Foto: G. Ziemann

This article has 1 Comment

  1. Ich, als die Patentante von Anne Berta, freue mich, wenn sie glücklich weiter gesegelt wird. Gottes Segen soll sie und ihre neuen Skipper begleiten!
    Herbert und seine Frau zolle ich allen Respekt, ihre Anne Berta abzugeben. Doch ein Schiff wie sie möchte ihre gemütliche Schönheit vielen Menschen zeigen und braucht Bewegung. Sie kommt bestimmt gerne wieder zu Besuch nach Carolinensiel zurück.
    Ria

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