Die 90 Jahre sieht man ihr nicht an

Die Schiffergilde feiert den 90 Geburtstag der Gebrüder AZ:5.

Strahlt in voller Pracht vor der „Alten Pastorei“ – die Gebrüder AZ:5.
Foto: G. Ziemann

Mit Tee und Kuchen, Bier und Bratwurst lud die Besatzung des Kutters des Deutschen Sielhafenmuseums zum „Open Ship“ ein. Und reichlich Besucher kamen um zu gratulieren und mit der Mannschaft den schönen Sonnentag auf der Harle zu genießen.

Schon an Vormittag kamen Gratulanten aus Politik und Gemeinde zum Kutter. Landrat Holger Heymann, Ortsvorsteher Eike Cornelius waren mit die ersten Gratulanten.

Wir haben mit Manfred Mannott von der Gebrüder Crew gesprochen und die Geschichte des Kutters Revue passieren lassen.

1929 ließ der Fischer Georg Peters aus Neuharlingersiel auf der Oldersumer Schlömerwerft diesen hölzernen Segelkutter bauen. Er nannte das Schiff nach seinen fünf Söhnen GEBRÜDER. Es erhielt als Hochseefischereifahrzeug die Kennnummer AZ:5. Alle Schiffe im Regierungsbezirk Aurich trugen ein A. Das Z war die Kennung für Neuharlingersiel.

Die GEBRÜDER ist das letzte noch erhaltene, als Segelschiff gebaute Fischereifahrzeug an der ostfriesischen Küste. Da die Fischerei unter Segeln 1929 bereits dem Ende zuging, rüstete man das Schiff zusätzlich mit einem 20 PS-Glühkopfmotor aus. Die Besegelung mit Groß – und Besanmast ermöglichte bei entsprechendem Wind eine kostengünstige Fahrt. Bei zu geringem Wind setzte man den Schiffsmotor ein. Die Ausrüstung wurde im Laufe der Zeit den modernen Erfordernissen angepasst. Die Abmessungen des Schiffes blieben aber gleich.

„Open Ship“ erwies sich als Publikumsmagnet an diesem Sonntag
Foto: G. Ziemann

Im Zweiten Weltkrieg wurde die GEBRÜDER für Marinezwecke eingezogen. Bis in die Nachkriegszeit setzte man sie zum Minenräumen  und zum „Munitionsfischen“ ein. Nach 1958 konnte die Familie Peters sich wieder der Fischerei zuwenden und befischte mit ihrem Schiff die gesamte Deutsche Bucht. Gefangen wurden überwiegend Plattfisch und Speisekrabben.

Im Jahr 1980 hatte der alte Glühmotor ausgedient. Einer neuer sechs-Zylinder Motor mit vierzehn Litern Hubraum und 190 PS machte die Gebrüder fortan flott.

Der letzte Eigentümer, Theo Peters, stellte das Schiff 1993 nach 65 Jahren außer Dienst.

1995 übernahm das Deutsche Sielhafenmuseum Carolinensiel die GEBRÜDER. In einer „Gläsernen Werft“ wurde sie für die Besucher sichtbar umfassend restauriert.

Im Winter 2017 bis März 2018 war es an der Zeit die Gebrüder auf den aktuellen Stand zu bringen. In der Werft in Ditzum wurde fast alles „auf Links“ gedreht. Ein komplett neues Führerhaus musste her. Außerdem bekam der Kutter einen neuen Besanmast. „Eine nicht ganz billige Angelegenheit“ weiß Manni Mannott zu berichten. 100 Tausend Euro kostete der Weftaufenthalt. „Ohne die erhebliche Unterstützung durch den Fischereifonds hätten wir das niemals stemmen können.“ so Manni Mannott.

Heute betreibt und unterhält die Schiffergilde Carolinensiel den Kutter.
Zu der Stammbesatzung zählen heute:
Bommel Bohms, Heinzi Boyungs, Heiner Hölscher, Manfred Mannott, Walter Mannott, Hartwig Meppen, Georg Renken, Axel Ziegler
In Zusammenarbeit mit dem Nationalpark-Haus Carolinensiel bietet die Schiffergilde  im Sommer eintägige Rundfahrten durch das Wattenmeer an. Die Fahrt auf dem historischen und ortstypischen Segelkutter GEBRÜDER AZ:5. bietet die Möglichkeit, Tierwelt, Wetter und Gezeiten dieser einmaligen Naturlandschaft hautnah zu erleben.

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